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Freitag, 6. Juni 2008

urpichallay, Ancash, Peru

"Meine kleine Taube" bedeutet die Uebersetzung des Namens der langjahrigen Partnerorganisation terre des hommes' Urpichallay. Sie hat ihren Sitz in einem kleinen Dorf namens Marcara, am Fusse der gigantischen Berge der Cordillera Blanca. Dieser weisse Gebirgszug hat seinen Namen durch die zahlreichen Gletscher erhalten, die die Gipfel kroenen und das groesste Suesswasserreservoir Perus bilden.

Wir trafen puenklich zur Umwelt-Aktionswoche ein. Und so standen wir mit unseren noch bepackten Raedern auf dem zentralen Platz von Jangas und bekamen vorgefuehrt, was die Bildungsarbeit des letzten Monats in den Schulen der Region gebracht hat: Die Schueler praesentierten mit selber gestalteten Plakaten, was Wasser fuer sie bedeutet, nachdem sie klassenweise mit Taenzen auf dem Platz eintrafen. Da die Gletscher der Cordillera sehr stark zurueckgehen, ist den Schuelern hier taeglich vor Augen, was der Klimawandel bewirkt und sie verstehen schnell, dass das Wasser die Grundlage ihres Lebens ist.

"Wir leben nicht von Kupfer, Gold oder Silber, sondern vom Wasser - ohne Wasser gibt es kein Leben!" Marcella, 5. Klasse

Am folgenden Tag hatten wir die Moeglichkeit am "camino del agua" teilzunehmen. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen und Bauern der Region sind gemeinsam mit internationalen Besuchern einen Flussverlauf abgelaufen und haben sich vor Augen gefuehrt, was der Klimawandel in den vergangenen Jahren bewirkt hat. Doch nicht nur der Klimawandel ist omnipraesent. Die Anden sind ein sehr reiches Gebirge, das in seinem Inneren wertvolle Mineralien und Metalle lagert. Grosse Konzerne haben an verschiedenen Stellen grosse Minen errichtet, die nicht immer die sichersten Naturschutzmethoden anwenden. So ist das Wasser der lebenswichtigen Fluesse oft verschmutzt. Hinzu kommt, dass die Minen sehr viel Wasser verbrauchen, um die gewuenschten Stoffe zu gewinnen. Dieses Wasser fehlt der Bevoelkerung. Besonders beeindruckend beim "camino del agua" war die vorliegende Rechnung, dass der bestehende Gletscher, der die einzige Suesswasserquelle der Gemeinde Huallanca ist, nur noch 15 - 30 Jahre bestehen wird. Wovon danach gelebt werden soll, weiss heute noch niemand. Genau neben diesem Gletscher finden derzeit Bohrungen der Minenwirtschaft statt.

Das Schoene an diesem "camino del agua" war, dass verschiedenste Menschen zusammen trafen, um den Wert des Wassers und seine Bedeutung besser zu verstehen. Der Brasilianische Teilnehmer Felipe sagte anschliessend "Fuer uns war es sehr beeindruckend, die hohen Berge und die Gletscher zu sehen und zu erfahren, wie sie sichtbar immer weiter zurueck gehen. In Brasilien sehen wir diese nicht und so ist es dort wesentlich schwieriger die Notwendigkeit den Wasserschutzes zu bewerben."

Am folgenden Tag trafen sich Delegierte der Teilnehmer unseres "caminos del agua" mit Teilnehmern eines anderen caminos, der im unteren Flussabschnitt stattfand, um ihre Erfahrungen auszutauschen. So wurde allen nochmal bewusst, "es ist EIN Fluss, von dem wir ALLE leben." In Peru leben 70% der Bevoelkerung an der Pazifikkueste. Doch das meiste Wasser fliesst in das Amazonasbecken. So sollte eigentlich fuer fast alle Peruaner das Wasser, besonders das saubere Wasser, ein grosses Thema sein, doch das oeffentliche Bewusstsein spiegelt dieses nicht wieder. Aus diesem Grund wurde bei dem gemeinsamen Treffen auch beschlossen, dass dieses Thema vermehrt in beiden Zonen bearbeitet werden soll, damit der "camino del agua" im folgenden Jahr mit mehr Teilnehmern eine groessere oeffentliche Wirkung erzielen kann. Wir koennen ihnen nur viel Glueck und Erfolg dabei wuenschen...

Als Abschluss der Umweltwoche und zur Feier des Umwelttages fand am 5. Juni dann der oeffentliche Teil statt, mit einem Seminar im grossen Stil, in dem Fakten der Wissenschaftswelt und die Ergebnisse der caminos der breiten Oeffentlichkeit praesentiert wurden.

Wir nutzten die Gelegenheit all diesen Aktvitaeten beizuwohnen, und erfuhren so viel ueber die Bedeutung des Wassers. Interessant war auch zu sehen, wie die Andenbewohner von dem lebendigen Wasser sprachen, das geschuetzt werden muss und fuer das Rituale durchgefuehrt werden. Die Kuestenbewohner wollen das Wasser auch schuetzen, da es die Grundlage ihres Lebens ist, doch schon ihr Slogan zeigt, dass der Zugang zu Wasser dort ein anderer ist: H2OY! (Wasser heute!)

So hatten wir wenige Moeglichkeiten mit Jugendlichen zusammen zu sein, die Zielgruppe des terre des hommes- gefoerderten Projektes von urpichallay sind. Doch in letzter Sekunde waren wir dabei, als das neu anlaufende Projekt praesentiert wurde: Es ist ein umfangreiches Projekt, dass Kinder, Jugendliche, aber auch die ganze Gemeinde, sowie die Schule anspricht und die Wiederbelebung fast vergessener andiner Kultur anstrebt, sowie die Rueckkehr zur traditionellen Landwirtschaft: biologischer Anbau der nativen Sorten. Das Ziel ist es, die Ernaehrung langfristig zu sichern. Auch bei diesem Projekt ist der verantwortungsbewusste Umgang mit Wasser ein wichtiges Element. Dieses Projekt laeuft nun an, waehrend wir schon wieder weiter gereist sind...

PERU: Urpicallay, Marcara- Huaraz, Peru
06.2008)

Freitag, 9. Mai 2008

ABA, Ayacucho, Peru

Die Asociación Bartolomé Aripaylla (=ABA) in Ayacucho ist seit 1991 Projektpartner von terre des hommes. Von Anfang an lag der Schwerpunkt in der Staerkung der lokalen Kultur der laendlichen Bezirke Chuschi, Tuco und Sarhua. Doch das Buero liegt in der Provinzhauptstadt von Huamanga, in Ayacucho - einfach aus dem Grund, dass es in den hohen Anden, nicht die notwendige Logistik gibt.

Das derzeitig von tdh unterstuetzte Projekt hat zum Ziel, dass Jugendliche der Region sich organisieren und sich gemeinsam fuer die Nahrungssicherung einsetzen. Aber auch, gemeinsam vergessene Traditionen wieder zu beleben.

So haben die Jugendlichen sich in aynis (= einer hilft dem anderen) zusammengeschlossen und gemeinsam mit ABA Lagunen angelegt. In diesen wird das Regenwasser aufgefangen und gesammelt. So haben die Familien, die ihre Alpakas in der Hoehe weiden lassen, das ganze Jahr ueber Wasser und das Gras waechst besser. Aber nicht nur die domestizierten Tiere profitieren davon, sondern auch die wilden Tiere. Und da diese Teil der Natur sind ist es auch gut so, dass alle was davon haben - so die Kosmovision. Aber damit nicht genug: Unterhalb der Lagunen haben sich neue pukios, neue Quellen, gebildet, die nun als kleine Baeche ins Tal fliessen. Diese pukios werden von den Jugendlichen auch besonders geschuetzt, da das Wasser Grundlage des Lebens ist und niemals aufhoeren darf zu existieren.

Ausserdem haben die Jugendlichen gemeinsam wieder angefangen saywas zu errichten. Das sind Steinsaeulen oder - tuerme, die auf den apus errichtet werden, auf den heiligen Bergen. "Frueher hatten alle Berge hier saywas, aber in der Zeit des Krieges wurden sie vom Militaer zerstoert, da sie aus der Ferne mit Menschen, mit Terroristen, verwechselt wurden." erzaehlt Magdalena Machaca, Leiterin des Jugendprogramms bei ABA. Heute sind die meisten Berge wieder kahl. Das besondere ist, dass sie stets von Jugendlichen errichetet werden, um sich an einen schoenen Tag zu erinnern, oder von jungen Liebespaaren, um die Liebe zu besiegeln. "Sie schmuecken die Berge" sagt die 23-jaehrige Marlene, als sie uns stolz die von ABA errichteten saywas in der Ferne zeigt. Und die Berge sind heilig, darum haben sie das Recht moeglichst schoen auszusehen.

Derzeit kaempfen die Jugendlichen gemeinsam mit den Erwachsenen gegen das Projekt eines Bergwerks, dass inmitten ihres Gebiets eine Mineralien-, Gold- und Kupfermine eroeffnen will. Der Berg ist reich an Rohstoffen und soll sie nun hergeben. Doch wenn es wirklich dazu kommen wuerde, waere die ueber die Jahrhunderte geschaffene und in den letzten Jahrzehnten wiederbelebte Vielfalt in grosser Gefahr. Die Natur auf ueber 3000 Metern Hoehe ist nicht so wiederstandsfaehig und mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage sich der extremen Verschmutzung gegenueber durchzusetzen. Wie speziell die einzelnen kultivierten Kartoffeln z.B. sind, konnten wir daran sehen, dass es in verschiedenen Gemeinden auch verschiedene Kartoffelsorten gibt, die teilweise nur dort existieren!

Wir hatten die Moeglichkeit bei dem Fest der Kreuze "Santa Cruz" dabei zu sein. An diesem Tag schlossen sich die traditionellen Autoritaeten, mit den Jugendlichen zusammen und haben in einer grossen Prozession die Kreuze von den apus geholt. Diese Kreuze haben seit der Aussaat ueber die Aecker gewacht und diese beschuetzt - vor Frost, Hagel,... An diesem Tag wurden sie geschmueckt und in die Kirche gebracht, wo sie nun bis zur naechsten Aussaat ausruhen und neue Kraft tanken duerfen. Was uns sehr fasziniert hat, war die Rolle von Kinderautoritaeten hierbei: Kinder muessen waehrend der gesamten Prozession vorne laufen, sie muessen den besten Weg fuer das Kreuz finden und ihn glaetten, nur so kann das Kreuz gut unten ankommen.

Dass das Kreuz in der Kirche ruht, hat seinen Ursprung lange vor der Missionierung. An den Stellen, die den Indigenas heilig waren, hatten sie kleine Kapellen errichtet. Als die Missionaere kamen, haben sie an genau diesen Stellen Kirchen gebaut. Nun werden diese fuer die traditionellen Braeuche verwendet. Auch die Form des Kreuzes hat seinen Ursprung in der vorchristlichen Zeit: das Andenkreuz besteht aus zwei gleich langen Balken - heute wird jedoch das christliche Kreuz mit dem andinen Brauch verwendet.

Bei unserem Besuch haben wir ausserdem verschiedene Jugendgruppen getroffen und uns mit ihnen ueber Vielfalt in Peru und in Deutschland unterhalten und ueberlegt, wie wir diese erhalten koennen - denn das sollte die zentrale Frage eines Chats werden, der im Rahmen des Kindergipfls in Deutschland zwischen deutschen und peruanischen Jugendlichen durchgefuehrt wurde. Hierlang kommt ihr zu unserem seperaten Eintrag ueber den Chat.


Zur Diashow:

Montag, 5. Mai 2008

Chat zwischen Jugendlichen in Deutschland und in Peru

Am 02.05. machten wir uns nach dem Fruehstueck auf den Weg: mit dem Auto von der Organisation ABA fuhren wir von einem kleinen Ort in den hohen Anden los, um in die kleine Stadt Chuschi zu gelangen. Sie liegt auf der anderen Seite eines hohen Bergkamms, der Pass liegt auf ueber 4000 Meter, auf 3200 Metern. Die direkte Umgebung ist gepraegt durch die Kultivierung von Mais, in hoeheren Lagen werden vor allem verschiedene Kartoffel- und Bohnensorten angebaut.

Auf dem Weg sammelten wir Jugendliche ein, mit denen ABA seit Jahren in der Wiederbelebung und dem Schutz der lokalen Kultur arbeitet. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir Chuschi, wo das naechstgelegene Internetcafé ist, doch dieses hat geschlossen! Mit einer Durchsage durch die oertlichen Lautsprecher wird der Zustaendige gerufen - so funktioniert die Kommunikation hier am leichtesten.

Zum Glueck haben wir nun Internetzugang, denn um 9:30 Uhr Ortszeit soll ein Chat stattfinden zwischen den Jugendlichen von hier und Jugendlichen in Deutschland, die an dem Kindergipfel zu biologischer Vielfalt in Bonn teilnehmen. (siehe auch Kindergipfel chattet mit Peru)

Nachdem wir mit den Jugendlichen noch vor Beginn des Chats Fragen gesammelt haben und ihnen erklaert haben, was die Jugendlichen in Deutschland eigentlich machen, kann es puenktlich los gehen. Nach einem kurzen Begruessen ging es auch schon direkt zur Sache:

Armut war das erste Thema. Bei der Frage, ob die peruanischen Jugendlichen arm sind, erklaeren sie, dass sie reich sind, aber kein Geld haben! Sie haben dafuer ein natuerliches Leben, mit gesunder Ernaehrung. Sie haben viele verschiedene Sorten an z.B. Kartoffeln und anderen Knollenfruechten, die man in Deutschland garnicht kennt. Ausserdem ist reich, wer Eltern hat, finden sie. Was die Deutschen ueber Armut denken, haben sie leider garnicht verraten!

Anschliessend wurde gefragt, was die deutschen Jugendlichen den Politikern sagen sollen im Namen der peruanischen. Hier waren sich alle einig: Die natuerlichen Gebiete, die besonders sauber und reich an Artenvielfalt sind, sollen als Naturschutzgebiete ausgezeichnet werden. Damit z.B. keine Minen dort eingerichtet werden koennen, die die Vielfalt und natuerliche Lebensweise zerstoeren.

Auf die Frage nach dem Schutz der urspruenglichen Samen in Deutschland wissen die Jugendlichen keine Antwort, da sie keine Bauern sind.

Und auch beim Schutz des Wassers faellt es ihnen schwer, eine Antwort zu geben, da sie alle in Staedten leben - sie berichten, dass sie fuer das Wasser bezahlen muessen und dass dieses aus der Leitung kommt, diese wiederum aus dem Wasserwerk oder aus den Bergen. Die Peruaner sagen, dass sie die Wasserquellen besonders schuetzen und auch Lagunen anlegen, damit es immer genug Wasser fuer die Landwirtschaft und die Tiere gibt.

Da war der Chat ploetzlich (aus Sicht der Peruaner) vorbei, da die Deutschen alle zu einem Bus mussten. Abel stellt im Anschluss direkt fest: "Bei den Samen haben wir gewonnen und beim Wasser haben wir fast gestritten!" Spaeter erzaehlt er anderen Jugendlichen von dem Chat und legt besondere Hoffnung darauf, dass die Jugendlichen in Deutschland ihre Anliegen an die Politiker weitertragen.

Hier ein paar Bilder vom Chat:



Im Folgenden ist der original Chat- Verlauf in spanisch nachlesbar, weiter unter ist eine ueberarbeitete und uebersetzte Variante zu finden:



Die peruanischen Teilnehmer:

Martin Cancho Huamana, 23 jahre alt,
Ich bin Envarado der Gemeinde Uchuyri. (Autoritaet der Kinder und Jugendlichen. Organisiert mit anderen Autoritaeten seiner Gemeinde Rituale, Feste etc.) Ich habe 3 Geschwister.

Abel Nuñez Vilka, 25 Jahre alt
Ich komme aus der Gemeinde Punkupata-Quispillaccta. Seit ich 14 Jahre alt bin beteilige ich mich an Aktionen von ABA. Ich habe keine Geschwister. Ich bin mit meiner Mutter und meiner Grossmutter aufgewachsen, mein Vater hat uns verlassen.

Lydia Cakllahua Huamani, 23 Jahre alt
Ich komme aus der Gemeinde Uchuyri. Ich habe 3 Geschwister.

Jorge Cancho Huamani, 11 Jahre alt
Ich komme aus der gemeinde Uchuyri. Ich bin soltero alvacer, das ist eine traditionelle Autoritaet der Jugendlichen. Ich habe 5 Geschwister, ich bin der Vorletzte.

Magna Yovana Galindo Micuylla, 14 Jahre alt.
Ich komme aus Uchuyri. Ich habe 3 Geschwister und bin die aelteste. Ich lebe mit meiner ganzen Familie zusammen.

Valentin Galindo Conde, 14 Jahre alt.
Ich bin aus Quispillaccta, ich bin Halb- Waise und habe 2 Geschwister. Ich wohne mit mit meiner Mutter und den kleinen Geschwistern zusammen.

Christian Ruben Galindo Pacotaype, 7 Jahre alt.
Ich komme aus der Gemeinde Pirhuamarca- Quispillaccta. Ich habe 1 kleinen Bruder. Ich mag Hunde und will studieren.

Die deutschen Teilnehmer:

nicolas kersting 13 Jahre alt, hat einige jahre in bolivien gelebt.
jannika sommer 13 Jahre alt
galan haidari 12 Jahre alt
julia batisti 13 Jahre alt
bernadette pott und julia lechler 13


CHAT, 2.5.08, 9.30-10.30 a.m.:

(die Peruaner unter dem "Decknamen" britta, die Deutschen unter strackcocha)


strackcocha dice:
hallo

britta dice:
hallo

britta dice:
or hola

britta dice:
die jugendlichen :

britta dice:
Martin Cancho Huamana, 23 jahre alt,
Ich bin Imbario der Gemeinde Uchuyri. (Autoritaet der Kinder und Jugendlichen. Organisiert mit anderen Autoritaeten seiner Gemeinde Rituale, Feste etc.) Ich habe 3 Geschwister.

Abel Nuñez Vilka, 25 Jahre alt
Ich komme aus der Gemeinde Punkupata. Seit ich 14 Jahre alt bin beteilige ich mich an Aktionen von ABA. Ich habe keine Geschwister. Ich bin mit meiner
Mutter und meiner Grossmutter aufgewachsen mein Vater hat uns verlassen.

Lydia Cakllahua Huamani, 23 Jahre alt
Ich komme aus der Gemeinde Uchuyri. Ich habe 3 Geschwister.

britta dice:
ausserdem

strackcocha dice:
nicolas kersting 13 Jahre alt
ich komme aus bolivien

jannika sommer 13 Jahre alt

britta dice:
Britta und Simon aus Deutschland zum uebersetzen. und Magdalena von der Organisation ABA die alles in Quechua uebersetzen wird.

strackcocha dice:
galan haidari 12 Jahre alt
julia batisti 13 Jahre alt

britta dice:
wir sind nicht ganz so jung mehr

strackcocha dice:
bernadette pott und julia lechler 13

britta dice:
son muchos!!!

strackcocha dice:
estamos en la cumbre juvenil sobre la biodiversidad

britta dice:
nosotros todos vivimos en peru!! en los andes

strackcocha dice:
como es un dia de ustedes?

britta dice:
como estan??

strackcocha dice:
muy bien
y ustedes??

britta dice:
abel: a las 5 nos levantamos y hay mucho calor!

britta dice:
si estamos bien

britta dice:
a las 6 desayuno, para venir por aqui, es un camino de 2 horas en coche

strackcocha dice:
cuantos grados de calor hay

britta dice:
en la noche bajo sero, en el dia 20 en promedio

strackcocha dice:
hoy hemos discutido sobre la pobresa del mundo

britta dice:
nosotros interessa juventud, biodiversidad, respecto a la vida

strackcocha dice:
vamos a hacer un contrato/acuerdo que mostraremos a politicos de aqui

britta dice:
para salir de la pobreza , hay que mejorar los recursos naturales, los suelos y la artesania para tener ingresso, y hay que recuperar la diversidad de semillas, piensamos nosotros

strackcocha dice:
y queremos preguntar si ustedes nos pueden contar algo de la vida de vosotros

strackcocha dice:
piensan que ustedes son pobres?

britta dice:
y este carta van a enviar a los ONU?

strackcocha dice:
si lo haremos

britta dice:
jorge cancho huamani, autoridad de los jovenes, 11 años dice

strackcocha dice:
van a mostrara lo ministros que vienen a bonn

strackcocha dice:
que cargo tienes?

britta dice:
a los 4 de la mañana me voy a la casa de una autoridad mayor, que yo, y nos planificamos el dia

strackcocha dice:
piensan que ustedes son pobres?

britta dice:
despues vuelvo a la casa, y nos comemos con la familia desayono

britta dice:
no somos pobres (Abel) porque tenemos mucha diversidad - muchas tierras,
a lo mejor platanos faltan.
somos ricos, pero no tenemos plata!!!

strackcocha dice:
que es para ustedes ser pobre??

britta dice:
despues del desayuno voy a la escuela (Jorge)

britta dice:
si ya no hay accesso a los recursos naturales
si no hay padres, estas pobre (dice Jorge)

strackcocha dice:
que los hace ricos?

britta dice:
Magna Yovanna Galindo Micuylla, 14, tambien si no hay plata estas pobre, y
no saber nada es pobre

britta dice:
Abel: hay tanto agrobiodiversidad - hay papas, masua, oka, mais, habas y de todo hay muchas variedades! todos son ecologicos y sanos,
no utilisamos agrochimicos dicen todos!!

strackcocha dice:
que desean de nosotros que digamos a los politicos e la cumbre

britta dice:
Martin: somos ricos porque tenemos madres y ayllus,
este es la familia extensa, que no nos abandona

strackcocha dice:
que desean de nosotros que digamos en la cumbre??

britta dice:
a los politicos: quieremos, que los zonas naturales serian zonas respetadas, mediante resoluciones oficiales tanto en Alemania, como en Peru.

la lluvia es para todos, por eso queremos para todos el respeto

strackcocha dice:
que peligros hay si no las respetamos??

britta dice:
(Jorge) su dia continua despues de la escuela va a la casa, hace su tarea,
despues ayuda a mis padres en las chacras , les risgo, cuido ganados, les doy alimentos, como autoridad voy a trabajar: cuidando sementeras

strackcocha dice:
que peligros hay si no las respetamos??

britta dice:
recojiendo animales dañinos

britta dice:
los gobiernos no los respetan!

strackcocha dice:
han tenido problemas con animales

britta dice:
quieren entrar con minerias

strackcocha dice:
como se puede evitar??

britta dice:
si, los animales dañan a los cultivos, se comen la madre semilla

britta dice:
nos organisamos contra minera y queremos una zona de reserva - los gobiernos que nos de una resolucion a favor de los comunidades campesinas

britta dice:
ustdes estan organizados? en que??

strackcocha dice:
estamos todos en la cumbre juvenil

strackcocha dice:
somos 100 ninos

britta dice:
(leider gibt es kein kabel fuer die kamera, so koennen wir keine bilder schicken von den jugendlichen! die kommen nach!)

britta dice:
es una organisacion?

britta dice:
si no estan en este cumbre, que hacen para la diversidad?

strackcocha dice:
es una organisacion no governamental de jovenes por la naturaleza

britta dice:
Jorge como autoriodad dice: tengo una assote para las personas y los animales que son desobidientes

britta dice:
bien, que se organizan - nosotros hacemos lo mismo

britta dice:
como cuidan las semillas nativas?

strackcocha dice:
no sabemos, si hay!
no somos campesinos

britta dice:
cuidan su agua y los manentiales?

strackcocha dice:
vivimos en una ciudad

strackcocha dice:
un poco qüidamos

britta dice:
y el agua no cuidan????????

strackcocha dice:
para no gastar embano

strackcocha dice:
no podemos

britta dice:
como cuidan en la ciudad?

strackcocha dice:
es muy dificil, cuidar

strackcocha dice:
nunca hemos pensado sobre eso

britta dice:
nosotros cuidamos con la planta putaqa, con este se aumenta el agua,
lo neseccitamos para los cultivos y los animales
y tambien para las animales silvestres - estamos haciendo lagunas en el parte alto
en estes captamos el agua del lluvia

strackcocha dice:
que bien

britta dice:
ustedes tambien deberian cuidar el agua!!!

strackcocha dice:
el agua es transportada en tubos

britta dice:
Valerntin Galindo 14, de donde viene su agua?

strackcocha dice:
nosotros tenemos que pagar mucho

britta dice:
pero qual es la fuente?

britta dice:
nosotros no pagamos, lo cuidamos!

strackcocha dice:
viene de las plantas de tratamiento y de las montanas

britta dice:
ahhh!

britta dice:
en las montañas lo cuidamos...

strackcocha dice:
tenemos que pagar

strackcocha dice:
hera muy interesante comunicar con vosotros

strackcocha dice:
hay una pagina de internet

britta dice:
que recursos naturales hay en alemania?

strackcocha dice:
vean adentro

strackcocha dice:
www.kindergipfel.de

strackcocha dice:
en los proximos dias

britta dice:
ya lo hemos visto!!!

strackcocha dice:
hay fotos

strackcocha dice:
que bien

strackcocha dice:
bueno

strackcocha dice:
chauchau

britta dice:
ya se van????

strackcocha dice:
si, aqui habla Peter. - ellos tienen una salida con bus y tienen que ir a la porteria

britta dice:
estaba mucho gusto a comunicar con ustedes!!!

britta dice:
que pena

britta dice:
bien

britta dice:
chauchau!!!!

strackcocha dice:
si, les ha costado algo de hacer el contacto y ahora es corto el tiempo

strackcocha dice:
de mi parte tambien muchas gracias, - espero poder enviarles el acta o algo asi, y despues fotos

britta dice:
bien, lo esperamos!!!

strackcocha dice:
tambien me pueden mandar fotos de alla, para que lo pongan a la pagina web?

britta dice:
si, en las proximas dias!

britta dice:
se puede poner en la pagina!

strackcocha dice:
gracias, ah si, esta bien, y pueden hacer el link

britta dice:
bien, peter, chau!!!

strackcocha dice:
si hay alguna inquietud mas, yo puedo dejar razon

strackcocha dice:
ah bueno, chau

Hier der ueberarbeitete und uebersetzte Chat:

Quispillaccta: Hallo oder auch Hola! Hier ist Martin Cancho Huamana, 23 Jahre alt und bin der »Imbario« der Gemeinde Uchuyri. Das ist ein Amt für Kinder und Jugendliche. Zusammen mit anderen Dorfautoritäten organisiere ich Rituale und unsere Gemeindefeste. Ich habe drei Geschwister.
Und ich bin Abel Nuñez Vilka, ich bin 25 alt. Seit meinem 14. Lebensjahr mache ich bei Aktivitäten der Vereinigung ABA mit. Ich komme aus der Gemeinde Punkupata. Ich habe keine Geschwister. Da mich mein Vater verlassen hat, bin ich mit meiner Mutter und meiner Grossmutter aufgewachsen.
Und ich bin Lydia Cakllahua Huamani, ich bin 23 Jahre alt und komme auch aus der Gemeinde Uchuyri. Ich habe 3 Geschwister. Und schließlich ist da noch Jorge Canchi Huamani, 11 Jahre, auch eine Kinderautorität sowie Jovanna Galindo Micuylla (14).

Bonn: Und wir sind Nicolas Kersting, Jannika Sommer, Julia Batisti, Bernadette Pott und Julia Lechler, alle 13 Jahre alt, sowie Galan Haidari, 12. Wir sind hier auf dem deutschen Jugendgipfel vor dem UNO-Treffen zur Artenvielfalt in Bonn.

Quispillaccta: Ihr seid ja ganz schön viele. Wir sind nicht mehr ganz so jung wie ihr. Wir leben alle hier im Andengebirge in Peru.

Bonn: Wir haben heute über die Armut in der Welt diskutiert. Wir werden einen Vertrag ausarbeiten, um ihn den Ministern zu präsentieren, die demnächst zur Konferenz nach Bonn kommen.

Quispillaccta: Wir finden es wichtig, von der Jugend, von der Artenvielfalt und vom Respekt für das Leben zu reden. Um aus der Armut herauszukommen, müssen die natürlichen Grundlagen besser geschützt werden, die Bodenqualität muss verbessert werden. Wir sind der Meinung, dass wir die frühere Vielfalt des Saatguts wiedergewinnen müssen. Und das Kunsthandwerk hilft uns, Geld zu verdienen.

Bonn: Könnt ihr uns etwas von Eurem Leben erzählen? Was ist für Euch Armut?

Jorge (Quispillaccta): Wenn wir keinen Zugang zu den Reichtümern der Natur und keine Eltern mehr haben.

Jovanna Galindo Micuylla (Quispillaccta): Wenn du kein Geld hast, bist du auch arm. Oder wenn du kein Wissen hast.

Bonn: Und wodurch fühlt ihr Euch reich? Oder glaubt ihr, dass ihr arm seid?

Abel (Quispillaccta): Wir sind nicht arm, denn hier gibt es viel Ackerland und immer noch viele Pflanzen und Tiere. Wir haben zwar kaum Geld, aber wir sind doch reich: Es gibt so viele verschiedene Pflanzen auf dem Acker: Kartoffeln, Masua, Oka, Mais, Erbsen und von all dem gibt es viele verschiedene Sorten. Und alle sind ökologisch und gesund. Wir benutzen keinen chemischen Dünger oder Pestizide. Das ist unser Reichtum, das meinen alle hier!!

Martin (Quispillaccta): Wir sind auch reich, weil wir Mütter haben und unsere Ayllus. Das ist unsere Verwandschaft, die uns nie im Stich lässt.

Bonn: Habt ihr Wünsche, die wir den Politikern weitersagen sollen?

Quispillaccta: Wir wünschen uns, dass mit Hilfe von Regierungsdekreten dafür gesorgt wird, dass unser Land und das Wasser respektiert werden, in Deutschland wie in Peru. Der Regen regnet doch auch über alle. Und deshalb wollen wir auch, dass alle respektiert werden. Die Regierungen nehmen aber keine Rücksicht. Sie bringen Bergwerksprojekten auf das Land.

Bonn: Wie kann das verhindert werden?

Quispillaccta: Wir organisieren uns und wollen erreichen, dass ein Naturschutzgebiet eingerichtet wird und dass die Regierung ein Dekret zum Schutz unsere Kleinbauerngemeinden erlässt. Seid ihr in Deutschland auch organisiert?

Bonn: Nein, aber wir haben uns hier zum Jugendgipfel getroffen. Wir sind 100 Kinder hier.

Quispillaccta: Ist das eine Organisation?

Bonn: Der Gipfel wird von der Naturfreundejugend organisiert, das ist eine nichtstaatliche Organisation von Jugendlichen, die sich für die Natur einsetzen.

Quispillaccta: Toll, dass ihr euch auch zusammentut. Wir machen das hier auch. Und was tut ihr sonst für die Natur, wenn ihr nicht gerade auf seinem Gipfel seid? Wie sorgt ihr euch um das einheimische Saatgut?

Bonn: Wir wissen nicht, ob es das in Deutschland noch gibt. Wir sind keine Bauern.

Quispillaccta: Aber kümmert ihr Euch dann um das Wasser und die Quellen?
Bonn: Hier fließt das Wasser aus der Leitung.

Valentina Galindo: Aber woher kommt dieses Wasser? Wo ist die Quelle?

Bonn: Es kommt aus der Klär- und Wiederaufbereitungsanlagen und ursprünglich aus den Bergen, etwa aus der Eifel. Ein wenig achten wir darauf, kein Wasser zu verschwenden. Aber sich um Flüsse, Bäche oder Quellen zu kümmern, ist ziemlich schwierig. Wir leben alle in Städten. Eigentlich haben wir darüber auch noch gar nicht nachgedacht.

Quispillaccta: Wir hier kümmern uns um das Wasser mit der Putaqa: Wenn wir sie um die Quellen herum anpflanzen, nimmt der Wasserfluss zu. Wir brauchen das Wasser ja für die Herden und die Äcker. Wir brauchen auch Wasser für die wild lebenden Tiere. Für die legen wir kleine Teiche oben in den Bergen an. Darin fangen wir das Regenwasser auf.

Bonn: Toll!

Quispillaccta: Ihr solltet Euch aber um das Wasser kümmern!!

Bonn: Es war sehr interessant mit Euch zu sprechen, aber wir müssen jetzt leider los.
Quispillaccta: Es hat uns sehr gefallen, mit Euch zu reden. Schade, dass ihr schon weg müsst. Chau, Chau!!!
Bonn: Tschüss, tschüss.


Nebengespraech im selben Chat:

Ein Tag im Leben einer Kinderautorität

In den Dörfern und Weilern der Bauerngemeinde von Quispillaccta beteiligen sich Kinder aktiv in der Pflege von Äckern und Tieren. Sie beteiligen sich an der Wiedergewinnung der traditionellen Kultur, an Festen und Ritualen für Pachamama „Mutter Erde“ oder die heiligen Berge. Manche von ihnen übernehmen dabei öffentliche Ämter, so wie der 11jährige Jorge, der während des Chats auch berichtete, wie ein gewöhnlicher Tag von ihm als Kinderautorität abläuft:
Um 4 Uhr früh gehe ich zum Haus einer älteren Dorfautorität und wir planen gemeinsam den Tag. Danach gehe ich zurück zu mir nach Hause und wir frühstücken zusammen in der Familie. Nach dem Frühstück gehe ich zur Schule, danach mache ich zu Hause meine Hausaufgaben. Und dann helfe ich meinen Eltern auf dem Acker. Ich bewässere die Gärten, kümmere mich um das Vieh, gebe ihm zu fressen. Und als Dorfautorität ist es meine Aufgabe, auf die neue Saat in den Feldern aufzupassen. Ich passe auf, dass keine Tiere auf die Felder gehen, die die Muttersaat auffressen könnten. Und für die Tiere und Menschen, die mir nicht gehorchen wollen, habe ich einen Riemen, mit denen ich sie schlagen kann.

Bearbeitung und Uebersetzung: Peter Strack/terre des hommes.

Dienstag, 29. Januar 2008

labor in ILO, Peru

In Ilo hatten wir die Moeglichkeit Juan und seine Familie kennen zu lernen und ein paar Tage mit ihnen in ihrem Haeuschen auf dem Land zu verbringen:

»Früher als ich noch ein Kind war,« erinnert sich Juan Madueño, »lebten in unserem Fluss noch Forellen und Krabben und wir haben hier mit kleinen Angeln gefischt, doch heute ist alles in ihm tot.« Juan lebt im Tal Tumilaca, in der Provinz Moquegua im Süden Perus. Hier ist er geboren und aufgewachsen und lebt, wie seine Eltern und Großeltern, von der Landwirtschaft. Inmitten der trockenen Atacamawüste bildet die Talsenke eine kleine Oase, zwischen der Pazifikküste und den Hochanden. Hier wächst nur etwas, wo es auch Wasser gibt – am Fluss. Die grünen Ufer ziehen sich wie Schlangen hinunter Richtung Meer und bieten einen farbintensiven Kontrast zur vertrockneten braunen, hügeligen Mondlandschaft der Wüste. Juan lebt mit seiner Frau Rosa und seinen Kindern Ruddy (13 Jahre) und Kathiza (10 Jahre) in einem kleinen Häuschen am Rande des Asana-Flusses. Ihr Einkommen erwirtschaften sie sich durch das Bestellen ihres kleinen Stückchen Landes. Das Wasser der Flüsse wird aus Quellen in den Hochanden gespeist. Doch dort gibt es nicht nur das kostbare Nass sondern es lagern auch große Mengen an Mineralien. Die werden derzeit in zwei Bergwerken abgebaut. Das Kupfer wird in der nahegelegenen Küstenstadt Ilo weiterverarbeit. Die Bergwerkswirtschaft gibt manchen Menschen Arbeit, doch Kleinbauern,wie Juan, leiden unter ihnen. Die zahlreichen Avocadobäume, die immer eine wichtige Einkommensquelle der Familie waren, sind in den letzten Jahren nach und nach eingegangen und mussten gefällt werden. Juan vermutet, dass der empfindliche Avocadobaum als erstes auf die Luftverschmutzungen der Fabrikschlote reagiert hat.

Seine Vermutung ist begründet: Untersuchungsberichte aus Ilo sprechen eine klare Sprache: Die kleine Hafenstadt im Süden Perus war eine der Städte mit der höchsten Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid der Welt. Traditionell leben die Familien hier, an der an Meeresgetieren reichen Küste, von Fischfang oder von der Landwirtschaft. Seit dem Bau der Fabrik litten Kinder und auch Erwachsene der Kleinstadt vermehrt unter Asthma und anderen Atemwegskrankheiten, Allergien waren weit verbreitet und die Vielfalt, sowie die Qualität der Früchte und Meerestiere nahm rapide ab. Die Abgase der Fabriken wurden durch die Küstenwinde über die trockene Wüste in die umliegenden Städte und Dörfer bis in die Berge getragen. In den feuchtheißen Sommermonaten verbanden sich die Schwefeldioxidabgase mit der hohen Luftfeuchtigkeiten zu »saurem Regen«.

Die von terre des hommes unterstützte asociacion civil labor ist im Kampf gegen die Umweltverschmutzung ein wichtiger Wortführer und unterstützt Initiativen, die sich für die Bewahrung der Natur einsetzen. Die Mitarbeiter sagen, dass sie selber äußerst unbeliebt bei den Bergwerksbetrieben seien. Bei deren öffentlichen Veranstaltungen würden sie nicht nur nicht eingeladen, sondern ausgeladen, wenn sie trotzdem kämen.

Das von terre des hommes unterstützte Projekt richtet sich an die Kinder und Jugendliche der Region: sie sollen bereits in der Schule lernen, was die Bergwerke für sie und die Umwelt bedeuten, aber auch, was ihre Rechte sind, damit sie sich in öffentlichen Gremien wie bei der Erstellung kommunaler »Bürgerhaushalte« für ihre Interessen einsetzen können. Doch der Einfluss des Konzerns ist gross: »Wenn sie erfahren, dass wir in einer Schule einen Workshop gemacht haben, kommen sie in die Schule und drohen ihnen, die Aula nicht zu finanzieren, wenn sie weiter mit labor arbeiten! Die Schulen gehen meistens auf dieses unmoralische Angebot ein, und wir können nicht mehr in die Schule kommen«, berichtet Roxana Estrada, die bei »labor« für die Umwelterziehung zuständig ist.

Dennoch konnte durch internationalen Druck und vor allem den 15 Jahre andauernden Kampf der Bevölkerung in Ilo erreicht werden, dass die Fabrik 2007 modernisiert wurde. Seitdem ist die Luftverschmutzung zurückgegangen. Die Vereinigung Labor und Bauern wie Juan sind dennoch nicht zufrieden. Die in der Landwirtschaft verursachten Schäden seien nicht reparabel, doch seitdem die Fabrik modernisiert wurde, würden den Bauern nun keine Entschädigungen mehr gezahlt. Auch sei die Luftverschmutzung ja nicht das einzige Problem.

Wenn Juan nicht sein Land bestellt, dann kämpft er als Sprecher der »Nationalen Vereinigung der durch die Bergwerkswirtschaft betroffenen Gemeinden Perus« (CONAMCAMI Peru) gegen den Bau einer dritten Mine in der Region. Diese soll im Jahre 2009 oberhalb seines Grundstückes am Asana Fluss eröffnet werden und würde die Lage der Familie Madueño wie der anderen Kleinbauern des Tales verschärfen. Juan ist eigentlich ein ausgeglichener, ruhiger Mensch. Aber wenn er auf die Minen zu sprechen kommt, erkennt man ihn kaum wieder: Voller Eifer zeigt er uns in seinem kleinen schlichten Lehmziegel-Häuschen mit Hilfe von auf DVD gebrannten Bildern von google earth, wo die Mine gebaut warden soll. Und Videos, die er sich ebenfalls bei Labor kopiert hat, erklären die befürchteten Auswirkungen. Am meisten Sorge macht Juan und seiner Familie die Tatsache, dass die neue Mine genau im bisherigen Flussverlauf des Aasana gebaut werden soll. Dort werden riesige Kupfervorkommen vermutet. Um an diese heran zu kommen, soll der Fluss Asana durch einen langen Tunnel umgeleitet werden und erst Kilometer weiter flussabwärts in dem ursprünglichen Flussbett weiterfließen. Außerdem wird die Mine selber Wasser für den Abbauprozess benötigen und dieses dem Fluss entnehmen wollen, so dass sich das natürliche Wasservolumen des Asana verringern wird. Hinzu kommt, dass der schwermetallhaltige Abraum, ebenfalls im bisherigen Flussbett gelagert werden sollen. Bei Regen könnte sich das verseuchte Wasser mit dem restlichen Flusswasser vermischen und ins Tal fließen, wo Juan es als Wasch- und Trinkwasser für seine Familie, sowie zum Bewässern des Landes benötigt.

»Manchmal können wir nachts nicht schlafen!«, sagt Juan voller Bedenken. Als Sprecher von CONAMCAMI hat Juan ganz in der Nähe im Dorf Torata andere Kleinbauern kennengelernt, die bereits direkt durch eine Mine betroffen sind, die nach dem selben Schema arbeitet, wie das geplante Bergwerk am Asana Fluss. Dort hat sich die Wassermenge im Fluss ebenso verringert, wie die Erträge auf den Äckern. Obst und Gemüse haben schlechtere Qualität und die Bauern müssen befürchten, es auf den Märkten gar nicht mehr verkaufen zu können, wenn bekannt wird, dass sie belastet sind.

Dass die Bauern von irgendeiner Seite Schadensersatz erhalten könnten, ist beim derzeitigen Stand der Dinge unwahrscheinlich. Die Firma, die die Mine betreibt, sieht bei sich keine Schuld, da sie »umweltfreundlich« arbeite. Auch vom Staat ist keine Hilfe zu erwarten. Regierungsstellen würden von dem Minenbetreiber durch großzügige Zuwendungen finanzieller Art davon »überzeugt«, dass die Mine »sauber« ist, kritisiert Roxana Estrada. Die lokale Regierung stehe ebenfalls unter diesem Einfluss. Um die Bevölkerung zufrieden zu stellen, werden sichtbare Dinge wie Spielplätze oder Sportanlagen errichtet. Aber dadurch werden sich die Lebensbedingungen für Juan und seine Familie nicht verbessern. Vor allem: Er weiss nicht, wovon er einmal leben soll, wenn er sein Land nicht mehr bestellen kann.

Seine Tochter Kathiza jedenfalls will nicht in der Region bleiben, sie will lieber studieren und als Ingeneurin in der Stadt arbeiten - bei den derzeitigen Zukunftsaussichten fuer das Tal Tumilaca ist das nicht verwunderlich.

Zur DIA SHOW

ILO - MOQUEGUA / PERU - LABOR und die Familie von JUAN