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Dienstag, 29. Juli 2008

waman wasi, Lamas, Peru

waman wasi ist der Name des einzigen Projektpartners von terre des hommes, der das Thema der kulturellen Staerkung im Amazonasgebiet behandelt. Seinen Namen hat die Organisation von dem groessten Apu der Region, dem gleichnamigen Berg waman wasi. Zielgruppe ist eine Gemeinschaft von quetchua sprechenden Indigenas, die vor langer Zeit (man spricht von mindesrens 500 Jahren) aus den hohen Anden ins obere Amazonasgebiet gewandert sind. Wann genau das war, weiss keiner mehr und warum, ist auch nicht mehr bekannt. Heute leben sie groessten Teils noch im Einklang mit der Natur im und vom Regenwald.

Fuer uns war nun wieder alles neu: Die cosmovision amazonica, die Weltanschauung der hier lebenden Menschen, hat viele Parallelen zur cosmovision andina, jedoch mindestens genau so viele Unterschiede. Es faengt bereits damit an, dass die kultivierten Lebensmittel andere sind. Viele Knollen und Huelsenfruechte, die wir bisher nicht kannten, werden im Amazonasgebiet angebaut. Die Art des Anbaus ist auch nicht identisch mit dem der hohen Berge. In beiden Gebieten werden viele Ernten gemeinsam auf einem Acker angebaut, doch die Vielfalt eines Ackers hier hat uns sehr beeindruckt. Ein Acker den wir gesehen haben, glich eher einem bunten Wald: Neben verschiedenen kartoffelatrigen Knollen wurden unterschiedliche Bananen- und Bohnensorten, Baumwolle, Mais, Zitrusfruechte, Kaffee, Kakao und noch viel mehr angebaut! Natuerlich alles in kleinen Mengen - fuer den persoenlichen Verbrauch bestimmt, nur der Ueberschuss wird verkauft.

Dort lernten wir auch die "mani del monte" kennen, die Erdnuss der Inka, auch sacha inchi genannt. Diese Nuss waechst am Baum und ist besonders reich an Omega 3 und ungesaettigten Fettsaeuren. Sie wird in den traditionellen Gerichten verwendet und fuer teures Geld auf dem lokalen Markt gehandelt, ihr Preis auf dem internationalen Markt ist noch hoeher. Darum stellt sie neben einer gesunden Nahrungsergaenzung eine zusaetzliche Geldquelle dar.

"Die Voegel helfen uns zu saeen, wenn sie Samen in den monte tragen" Angel, Gemeindevorsitzender

"monte" wird der unberuehrte Wald genannt. Traditioneller Weise gehoert jeder Familie neben ihren Aeckern auch ein Stueck monte, das als Quelle verschiedener Samen gilt und zum Erhalt der Vielfalt beitraegt. Hier wachsen auch viele der medizinischen Pflanzen. Durch das Teilen der Aecker, bei der Weitergabe an die Kinder, werden die Flaechen immer kleiner und viele Familien haben nicht mehr die Moeglichkeit einen monte zu pflegen. Manchmal ist die Bedeutung dieses geschuetzten Gebietes bereits vergessen, und es wird nur auf den schnellen Nutzen geachtet, dann wird zum Beispiel Kaffee, Kakao oder sacha inchi in einer Monokultur angebaut, um die Ernten zu verkaufen. Doch diese Rechnung ist kurzfristig und sieht nur den einmaligen Gewinn. Es kommt vor, dass Familien, durch die schnelle Verdienstmoeglichkeit geblendet, vergessen genuegend Pflanzen fuer den eigenen Konsum anzubauen.

Hier setzt das terre des hommes gefoerderte Pojekt an. Ernaehrungssicherung im Einklang mit der Natur: "Aussaen, um zu essen" heisst die Kampagne, die derzeit durchgefuehrt wird. Zielgruppe sind die jungen Frauen und Muetter, da sie fuer die Zubereitung der Nahrung zuestaendig sind. Die Erfahrungen zeigen, dass die Maenner sehr anfaellig fuer die von Agratechnikern beworbenen Monokulturen sind, um damit schnell Geld zu verdienen, jedoch die Narungssicherheit der Familie dabei voellig ausser Acht lassen. Doch eine Gruppe aus der Gemeinschaft zu isolieren waere kontraproduktiv. waman wasi arbeitet immer mit der gesamten Gemeinde, damit alle die Richtung mittragen koennen, in die gegangen werden soll. Wenn das nicht getan wird, ist voraussehbar, dass das Projekt sich nicht durchsetzt.

Ein weiterer wichtiger Strang der Arbeit ist die Weitergabe des gesammelten Wissens von den Alten an die Jungen. Durch die Werbung und die konventionelle Schule beeinflusst, haben die Jugen oft kein Interesse mehr, in der Gemeinde zu leben und das alte Wissen wird nicht wertgeschaetzt. Auch aus diesem Grund arbeitet waman wasi stets mit der gesamten Gemeinde.

Wir haben uns mit Don Christobal aus San Miguel unterhalten, um seine Erfahrungen des Projektes kennen zu lernen. Er ist heute 71 Jahre alt und ist curadero (=traditioneller Heiler). Er erzaehlte uns bei einem Spaziergang durch seinen Acker, wie wichtig die Anwendung von verschiedenen Diaeten fuer das Zusammenleben von Mensch und Natur ist. Nur, wenn zum Beispiel vor einer Jagd im monte eine mehrtaegige Kur durchgefuehrt wird, ist der Jaeger in der Lage eins zu werden mit dem monte, und nur dann haben die Tiere keine Angst vor ihm und ziehen sich nicht zurueck. Das Geheimnis ist, dass durch die Kur mit Rinden verschiedener Baeume (die beruehmteste ist die Ayahuasca-Rinde) die im monte wachsen, die anima, die Seele, des Waldes aufgenommen wird. So kann der Jaeger sich im Einklag mit dem monte bewegen, da seine Seele eins geworden ist mit ihm.

Don Christobal berichtet uns, dass viele Jugendliche heute in die Stadt gehen, aber trotzdem noch einen curadero aufsuchen, wenn sie Beschwerden haben. Den Beruf jedoch erlernen, das konnten sich wenige vorstellen. Nachdem waman wasi einen workshop organisiert hat, in dem die curaderos den Jugendlichen ueber ihre Arbeit berichten, hat er nun einige Schueler, denen er sein Wissen weitergibt.

Mit waman wasi haben wir unser letzte Projekt Perus besucht, das zur kulturellen Staerkung arbeitet. Nun haben wir erstmal "Urlaub" in Ecuador, bevor wir in Kolumbien wieder Projektpartner besuchen werden.

Zur Bilderschau ueber das Projekt:

Sonntag, 27. April 2008

CEPROSI, Cusco, Peru

In Cusco haben wir die Organisation CEPROSI besucht, die ueber die letzten fuenf Jahre in der Staerkung der lokalen Kultur von terre des hommes unterstuetzt wurde. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Zusammenarbeit mit Schulen und der Integration der lokalen Kultur in die Lehrplaene. Ein wichtiger Bestandteil ist die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Eltern, denn nur, wenn alle gemeinsam an der Erziehung der Kinder arbeiten, kann der Schueler gestaerkt aus der Schule kommen.

Haeufig ist es so, dass die Eltern mit der konventionellen Schule nicht viel zu tun haben und ihre Kinder eigentlich auch zu Hause benoetigen, bei der Arbeit auf dem Feld oder im Haushalt. Die Lehrplaene der konventionellen Schulen beruecksichtigen diese Realitaet nicht, so dass die Erziehungsziele der Eltern und die der Schule aneinander vorbei gehen: Die Eltern sehen keinen unmittelbaren Sinn im Schulbesuch und behalten ihre Kinder haeufig zu Hause und die Lehrer, im Gegenzug, wertschaetzen die Arbeit der Elten als Kleinbauern nicht und vermitteln aufgrund der allgemeinen Lehrplaene Werte anderer Kulturkreise.

CEPROSI hat mit viel Muehe, Empathie und Geduld genau dort angesetzt. Durch Gespraeche mit Lehrern, Eltern und Gemeindeautoritaeten wurde erreicht, dass nun die Eltern eng zusammenarbeiten mit der Schule und Themen wie z.B. Ackerbau oder Weben im Unterricht behandelt werden. Auch die andine Weltanschauung, die Cosmovision Andina, hat ihren Platz gefunden. Es werden regelmaessig Rituale durchgefuehrt, in denen die Mutter Erde, die Pacha Mama, um ein gutes Gelingen einer Aktivitaet gebeten wird und Ausfluege zu den wichtigen Apus, den heiligen Bergen, werden unternommen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Kinder Lesen und Schreiben nun in ihrer Muttersprache, dem quetchua, lernen, bevor spanisch als Unterrischtsspache eingefuehrt wird.

Das Ergebniss ist, dass die Schueler ihre Muttersprache und Spanisch gut beherrschen, dass sie ihre eigene Kultur wertschaetzen und leben und so selbstbewusster auftreten, wenn sie Menschen anderer Kulturkreise treffen. Wobei anzumerken ist, dass die Kultur in anderen Gemeinden und vorallem anderen Staedten, sich bereits sehr von der Kultur in diesen abgelegenen Gemeinden unterscheidet.

Als wir in eine der Gemeinden fuhren, waren auch zwei Vertreter des Bildungsministeriums dabei, die sich das positive Beispiel ansehen wollten, um die Erfahrungen der interkulturellen Erziehung in landesweit gueltige Curriculi einfliessen zu lassen. Die Schueler erwarteten uns in ihrer traditionellen Tracht. Und beim anschliessenden Arbeitsfruehstueck diskutierten die Vertreter mit den Lehrern der Region, wie eine weitere Zusammenarbeit aussehhen koennte.

Wir kamen anschliessend zu zwei weiteren Terminen alleine in die Gemeinde, um einen Fotoworkshop mit den viert Klaesslern durch zu fuehren. Thema war die Vielfalt der Gemeinde und wie sie von den Schuelern gesehen wird. Die SchuelerInnen waren im thematischen workshop sehr schuechtern und wir hatten den Eindruck, dass unsere mangelnden quetchua-Kenntnisse ein Mitgrund sein koennten, doch als es darum ging Bilder zu machen lege es sich. Es war besonders spannend fuer sie, die fertigen Bilder im kommenden workshop zu sehen: alle gaben sich viel Muehe, in ihren Zweiergruppen schoene Plakate ihrer besten Stuecke zu erstellen, und sie mit zweisprachigen Untertiteln zu versehen.

Die Ausstellung wurde feierlich eroeffnet und die Kuenstler fuehrten die anderen Schueler durch sie, indem sie zu jedem Bild kurz etwas sagten - nun waren sie nicht mehr schuechtern, sondern sehr stolz auf ihre Ergebnisse!

Die Diashow:

Montag, 31. März 2008

Staerkung der lokalen Kultur am Titikakasee

In der Region Puno, im suedlichen Peru, hatten wir die Moeglichkeit die Arbeit verschiedener Projektpartner von terre des hommes kennen zu lernen. Sie arbeiten alle mit dem Ziel der kulturellen Staerkung und haben sich in dem Netzwerk NACAs sur, nucleos de la afirmacion cultural sur (= Kerne der kulturellen Staerkung im Sueden), zusammengeschlossen.

Besonders spannend war fuer uns zu erfahren, wo diese Arbeit ihren Ursprung hatte: Vor vielen Jahren hatten die Gruender der Organisation Chuyma Aru (aymara = das Herz der Aymara) die Idee die Kartoffel- Produktion der Region zu steigern. Gerade frisch von der Universitaet fuer Agraringenierue gekommen, lag die Loesung auf der Hand, moderne Methoden, Maschine und Chemikalien sollten die Region Puno endlich mal aus der Armut holen. Bereits nach dem ersten Jahr wurde deutlich, dass mit konventionellen Methoden die Ergebnisse eher negativ sind, und dass es nichts bringt, in der sensiblen klimatischen Zone "moderne" Methoden der Landwirtschaft einzufuehren. Aus dieser Erfahrung haben die damaligen Initiatoren, Nestor und Walter Chambi vor vielen Jahren ihre Herangehensweise ganz neu ueberdacht. Statt auf die einfaeltigen Methoden der modernen Landwirtschaft zu setzen, entschieden sie sich schliesslich lieber die vielfaeltigen Methoden, die sich ueber die Jahrhunderte in der Region entwickelt haben, wieder zu beleben. So fing alles an.

In der "cosmovision andina", der andinen Weltanschauung, spielen alle Elemente eng zusammen und der gesamte Kosmos spricht in vielen Zeichen und Symbolen zu den Menschen und verraet ihnen die richtigen Zeitpunkte fuer die Aussaat, die Ernte und vieles mehr. Und all diese Regeln wurden frueher von Mund zu Mund in der jeweiligen Sprache (hier Aymara) von den Grosseltern an die Eltern und Kinder weiter gegeben. Doch mit dem Aufkommen der Modernitaet und der "Entwicklung" gewannen andere Themen an Uebergewicht und es blieb kein Raum mehr fuer diese Gespraeche. Viele zog es in die Staedte, um vom Fortschritt etwas ab zu haben, und so kam es, dass viele ihre Doerfer verliessen und ihre Sprache und ihre Ursprungskultur zurueck liessen. Diejenigen, die zurueck blieben, fanden sich ploetzlich in einer Minderheit wieder, in einer Kultur, die nichts mehr wert war. Wichtiger Bestandteil der andinen Kultur war immer auch die Gemeinschaft und diese bestand ploetzlich nicht mehr, so das z.B. Gemeinschaftsarbeiten nicht mehr durchgefuerrt wurden.

Das Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen mit einem gestaerkten Selbstbewusstsein auftreten koennen, dass sie ihre Herkunft nicht als peinlich empfinden und als Optimal- Ziel, in ihrer Gemeinde leben bleiben, und ihre Kultur weiter leben. Derzeit ist es so, dass viele mit dem Traum fuer ein besseres Leben in eine Stadt abwandern. Einige kommen wieder zurueck, da die Stadt sie nicht unbedingt mit offenen Armen empfaengt und weil die Werte und Lebensweise dort sehr wenig mit denen der Gemeinde gemeinsam hat. Frueher war es so, dass die, die zurueck kamen, weil sie in der Stadt nicht zurecht gekommen sind, auf dem Land nicht ueberlebensfaehig waren, da sie als Kinder anderen Idealen nachgeeifert sind, als dem "Bauersein". Der heutigen Jugend soll es anders ergehen.

Die Projektpartner wie Chuyma Aru, Quolla Aymara (= Aymara als Medizin), aaruna qu'asa und Suma Yapu setzen genau dort an. Wichtig ist es, die eigene Kultur wert zu schaetzen, denn nur so koennen die Kinder und Jugendlichen diese selbstbewusst leben. Die Ansaetze der verschiedenen Organisationen sind so vielfaeltig wie die andine Weltanschauung, doch allen gemein ist das Ziel, die alten Werte wieder zu entdecken und wieder zu beleben. Im Rahmen der Vielfaltskampagne haben sie sich nun auf einen gemeinsamen Fokus geeinigt: Durch die sehr positiven Ergebnisse einiger Projektpartner wie Suma Yapu vom Titikakasee und CEPROSI aus Cusco, hat man als Schwerpunkt interkulturelle Bildung ausgewaehlt.

Suma Yapu hat in den vergangenen fuenf Jahren mit Schulen der Region westlich des Titicacasees zusammengearbeitet. Mit Gemeinden, Eltern und Lehrern wurde gemeinsam an einem neuen Lehrplan gearbeitet, der die Staerken des alten Wissens und der lokalen Kultur beruecksichtigt, aber auch das moderne Wissen nicht ausschliesst. "Wir wollen beide Wissen" sagt Eliana, die Koordinatorin des Projektes, "denn das eine darf das andere nicht ausschliessen!" So besuchen die Schueler z.B. das Internet, um dort ueber Kartoffeln zu recherchieren - und vor der Aussaat wird ein traditionelles Ritual durchgefuehrt, damit die Ernte auch gut wird. Wenn sich schwarze Wolken naehern wird mit dem Regen gesprochen und er wird gebeten spaeter zu kommen oder in anderen Regionen zu fallen. Damit kein Hagelschauer oder Nachtfrost die Ernte zerstoert, werden verschiedene Ritual auf den umliegenden Bergen durchgefuehrt, so sind die Pflanzungen geschuetzt. Die Berge sind Teil der Kosmovision, sie, die "Apus", sind genauso Lebewesen wie Tiere und Mensche. Wenn einen Duerre die Ernten bedroht, werden den Traditionen nach Froesche auf die Apus gebracht. Da sie zurueck in ihr Element Wasser wollen, weinen sie und das ruft den Regen.

All diese Methoden wurden langsam vergessen, doch gemeinsam mit den Alten der Gemeinden wieder belebt. Heute schaetzen die Jugendlichen ihre Umwelt und vor allem auch ihre Kultur wieder. Wie der 17-jaehrige Mario: "Frueher hatte ich keine Ahnung von den Zeichen der Natur, doch heute sehe ich, wie wichtig sie sind, ... , es gibt so viel was wir alles lernen koennen!" Nun weiss er, worauf er bereits bei der Aussaat achten muss, damit die Ernte gut wird. Wir haben viel Kinder getroffen, die uns auch ohne Uhr sehr genau die Zeit sagen konnten oder uns stolz das exakte Rezept ihres Lieblingsessen geben konnten.

Zur Diashow:
Vielfalt am Titikakasee

Mittwoch, 14. November 2007

Besuch in Cochabamba, Bolivien

Es gab viel zu erledigen, was wir uns fuer Cochabamba aufgehoben haben: Berichte wollten geschrieben und Fotos sortiert werden, aber auch Projekte sollten besucht werden.

Das erste cochabambiner Projekt, das wir kennelernten, war CEIISA (Centro de Estudios e Investigación en Impactos Socio Ambientales). Sie arbeiten gegen den Pestizideinsatz in der Blumen- und Gemüseproduktion. Das von tdh unterstuetzte Projekt setzt bei den Kindern an: In den Schulen werden Unterrichtseinheiten angeboten, in denen die Schueler lernen, was Pestizide ueberhaupt sind, denn viele ihrer Eltern arbeiten taeglich mit diesen. Und da die Eltern oft nicht lesen koennen und auch sonst niemand sie darueber aufklaert, wie giftig die Pestizide teilweise sind, leiden viele an den Folgen: von Kopfschmerzen ueber Uebelkeit bis hin zu genetischen Schaeden der Kinder.

Doch das aendert sich nun: die Kinder koennen uns genau erklaeren, welche Symptome ich bekommen kann, wenn ich Pestizide einsetze und wie ich mich am besten verhalte, um dem vorzubeugen. Ausserdem lernen sie alternative natuerliche Methoden zur Schaedlingsbekaempfung kennen. In kleinen Schulgaerten ueben sie dann: von der Aussaat bis zur Ernte werden keine Chemikalien eingesetzt. Die Schueler haben grossen Spass an dem praktischen Teil, und kuemmern sich mit viel Einsatz um die Gaertchen: Unkraut jaeten, Wasser geben, usw... keine Arbeit wird als schlecht empfunden!

Auf einem jaehrlich stattfinden Fest der Organisation im Ortszentrum praesentierten die Schueler dann das, was sie gelernt haben der Oeffentlichkeit: Jede Klasse bereietete einen Stand vor in dem die Bevoelkerung auf anschauliche Weise vermittelt bekam, was Pestizide sind und wie sie wirken. Nun ist es an der Reihe der Erwachsenen den Kindern gut zuzuhoeren!

CEIISA organisierte das Fest, doch die Gemeinde unterstuezte sie - am staerksten ideologisch. Denn auch ihnen ist bewusst geworden, dass das Oertchen, das bekannt ist fuer seine Gemuese- und Blumenproduktion, auf Dauer einen Schaden nimmt, wenn es bei dem Einsatz der harten Chemikalien bleibt. So sind sie bemueht wenigstens auf lokaler Ebene den Pestzideinsatz zu verringern.

Auf nationaler, wie auch auf internationaler Ebene kaempft CEIISA mit gleichgesinnten fuer das Verbot der gefaehrlichsten Produkte: Viele sind in anderen Laendern bereits verboten, doch in Bolivien noch erlaubt. Das deutsche Unternehmen Bayer z.B. ist ganz gross im Geschaeft: In Deutschland verboten werden die Gifte exportiert...

INFANTE (Promoción Integral de la mujer y la infancia) ist ein weiterer Projektpartner in Cochabamba. Das von tdh unterstuezte Projekt ist ein Frauenhaus - das einzige dieser Art ganz Boiviens, wie uns mitgeteilt wurde! Hierher koennen Frauen mit ihren Kindern kommen, wenn sie mittelfristig Unterschlupf suchen. Die Ursachen sind meist interfamiliaereGewalt in den unterschiedlichsten Formen. Sie kann physisch, psychisch oder sexueller Art sein - INFANTE nimmt alle Opfer auf, wenn es genug Platz gibt. Das heisst bis zu fuenf oder sieben Kinder und die Mutter werden aufgenommen und teilen sich 2 - 3 Betten, derzeit sind elf Frauen dort, viele mit ihren Kindern. Oft teilen sich zwei Familien einen Raum.

Waehrend des Aufenthalts im Frauenhaus werden die Kinder durch eine Erzieherin betreut, wobei sie spielerisch zu Themen wie emotionelle Intelligenz oder Selbstbewusstseinsstaerkung arbeiten. Die Muetter erhalten in psychologhischen Einzelgespraechen individuelle Untertuetzung - in Gruppengespraechen teilen sie ihre Erfahrungen und lernen, dass sie auch Rechte haben. Eine Frau teilte uns mit, dass sie nun weiss, dass sie auch ein Mensch mit eigenen Rechten ist: "Zu Hause regieren die Maenner und stellen die Regeln auf! Doch nun weiss ich, was meine Rechte sind und ich werde mir das nicht mehr laenger gefallen lassen!"

In der Einrichtung koennen die Frauen bis zu drei Monaten bleiben. Das Essen, das sie selber im Turnus zubereiten, wird vom Staat finanziert. Die laufenden Ausgaben muss die Organisation selber aufbringen. terre des hommes uebernimmt einen grossen Teil der Kosten. Der Rest wird als symbolischer Beitrag von den Taetern gezahlt - so ist zumindest die Idee. Viele zahlen, doch manche verweigern dies, so dass die Frau sich durch kleine Arbeiten, wie Putzen oder den Verkauf selber produzierter Dinge, das Geld verdienen muss. Ein Projekt in der Vorweihnachtszeit ist es, Plaetzchen zu backen und diese an andere Nichtregierungsorganisationen oder Firmen in Form zu verkaufen.

Manche Frauen brechen den Aufenthalt in der Einrichtung ab, doch die meisten verlassen sie nach drei Monaten gestaerkt: Einige von ihnen gehen mit den Kindern zurueck zu ihren Maennern, doch andere versuchen es lieber alleine.

Ein Highlight unseres Aufenthaltes war die zweite Aktion der lokalen Plattform im Rahmen der Kampagne "Globalisierung, Kinder kulturelle und biologische Vielfalt". Hierzu haben sich alle tdh- Projektpartner der Region zusammengeschlossen und
in Sacaba, einem Vorort von Cochabamba, auf der "Plaza Central", direkt vor der Kirche und nach der Sonntagsmesse, ein großes Fest organisiert. Jeder Projektpartner hat seinen Zusammenhang mit Vielfalt herausgearbeitet und dieses dargestellt: CEIISA, z.B., hat verdeutlicht, dass die Pestzide nicht in die andine Kulture gehoeren und ueber die Folgen des Pestizideinastzes aufgeklaert.

PUSISUYU (Servicios Andinos Pusisuyu) arbeitet zum Thema Ernaehrungssicherheit mit Gemeinden auf dem Land. Sie haben diverse Samen von Kartoffeln, Mais und Huelsenfruechten ausgestellt. Die Bauern der Umgebung konnten sich einige der Samen mitnehmen, um sie auf ihren Äckern zu kultivieren - so funktioniert das hier! Andere Projektpartner aus den tropischen Regionen von Cochabamba konnten so z.B. ihre Avocados und Bananen gegen Kartoffeln und Mais eintauschen.

Das Fest war ein großer Erfolg: viele Kinder der Organisationen INFANTE, WIÑAY PACHA u.a. haben Theaterstücke, Puppentheater oder traditionelle Tänze vorgeführt und der halbe Ort hat sich um sie gedraengelt, um etwas sehen zu können. Auf diese Weise wurden wichtige Themen wie "kulturelle und biologische Vielfalt", "Stopp des sexuellen Missbrauchs", "Rechte" und aehnliches auf spielerische Weise den Kindern und Eltern näher gebracht.

In der folgenden Woche wollten wir eigentlich das Projekt PUSISUYU besser kennenlernen und mit dem Koordinator in die laendlichen Gemeinden fahren - doch das Wetter hat uns einen Strich durch die Planung gemacht: Durch starke Regenfaelle sind die Zufahrtsstrassen in die Gemeinden fuer Autos unpassierbar geworden! So haben wir nebenbei die Realitaet der Projektpartner kennengelernt: In der Regenzeit sind viele Strassen auf dem Land unpassierbar und die Doerfer oft ueber einige Wochen vom restlichen Land abgeschnitten. Das macht die Arbeit in den Projekten sehr schwer und die Versorgung der Doerfer mit Lebensmitteln erst recht. Da verstanden wir auch gleich noch einmal mehr, warum es fuer die Gemeinden so wichtig ist, autark in der Lebensmittelproduktion zu sein!

Stattdessen nahm Britta an einem Treffen der UNATSBO teil, dem bolivienweiten Netzwerk der arbeitenden Kinder und Jugendlichen (NATs) des Landes. Diese Vereinigung ist derzeit in einer Krise. Um aus dieser raus zu kommen, wurde ein Treffen organisiert, in dem Deligierte der NATs, Organisationen, die mit ihnen arbeiten, und "Freunde der NATs", die sie individuell immerwieder unterstuetzen, teilnahmen. Gemeinsam wurde der Ursprung der Krise analysiert und es wurde ueberlegt, wie die UNATSBO mit vereinten Kraeften aus dieser Krise kommen koennte.

Es wurde ein Papier zum weiteren Vorgehen erarbeitet, und was sehr wichtig war, es wurden Forderungen an die Minister formuliert, denn diese sind gerade im Prozess eines neuen Verfassungsentwurf im Rahmen der Verfassungsgebenden Versammlung. Die UNICEF und ILO fordern mit grossem Druck von der bolivianischen Regierung in der neuen Verfassung das Verbot von Kinderarbeit zu verankern - doch das widerspricht den Interessen der arbeitenden Kinder und Jugendlichen, die arbeiten muessen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Die Petition der UNATSBO wurde kurz nach dem Treffen an den Aussenminister uebergeben, der sich sehr offen fuer das Anliegen der NATs gezeigt hat und versprochen hat, diese in der Verfassung zu beruecksichtigen... wir werden sehen!?!

An dem Treffen der UNATSBO nahm auch die Organisation AVE (audiovisuales educativos)teil, die von tdh punktuell unterstuetzt wird. Sie arbeiten mit den NATs des Generalfriedhofes von Cochabamba zusammen, indem sie z.B. Zeichentrickfilme mit ihnen erstellen. Unter anderem ist in der Zusammenarbeit mit ihnene eine Dokumentation ueber die NATs entstanden, die sehr gut erklaert, warum sie arbeiten muessen. Die NATs stellen sich mit grossem Selbstbewustsein vor und es wird deutlich, dass die Realitaet in Bolivien einfach eine andere ist, als die in z.B. Deutschland. Dieser Film hat uns so gut gefallen, dass wir die deutschen Untertitel fuer ihn erstellt haben, damit er in den Schulen zur Aufklaerung ueber die NATs verwendet werden kann.

Zu den Bildern der Projektbesuche:

Projektpartner in Cochabamba

Montag, 15. Oktober 2007

CESATCH, Chuquisaca, Bolivia

CESATCH (Centro de Servicios Agropecuarios Técnicos Chuquisaca) hat seinen Sitz in Sucre, doch die Arbeit findet in der laendlichen Region der Provinz Chuquisaca statt. Chuquisaca zaehlt zu einer der aermsten Regionen Boliviens und zeichnet sich durch eine schlechte Infrastruktur aus. CESATCH ist, wenn auch mit Pause, bereits seit vielen Jahren Projektpartner von terre des hommes.

Die Region ist dadurch gepraegt, dass die lokalen Kulturen noch stark gelebt werden. Wir hatten die Moeglichkeit mit dem Koordinator Victor den "typischen Markt" in Tarabuko zu besuchen, wo wir viele Maenner uns Frauen in ihren farbenfrohen Trachten sahen. Auf diesem Markt wird neben den lokalen landwirtschaftlichen Produkten die bunte Webware der Umgebung verkauft. Victor hat uns in einem kleinen Museum erklaert, dass die Motive auf den typischen tarabukensischen Stoffen Geschichten erzaehlen, die sich um das alltaegliche Leben der Menschen drehen: Es koennen Szenen rund um's haeusliche Leben sein, oder besondere Situationen wie der Karneval oder eine Beerdigung. Die Stoffe sind sehr fein gewebt und haben fuer Bolivien stattliche Preise.

Anschliessend sind wir dann in ein kleines Doerfchen mit dem Namen Morado Q'asa geradelt, in dem CESATCH arbeitet. Zielgruppe des durch terre des hommes unterstuezten Projektes sind Schulklassen und Lehrer in kleinen Gemeinden der Umgebung, mit denen zu Umwelterziehung gearbeitet wird. Es finden regelmaessige Workshops statt, Schulgaerten werden angelegt und auch die Eltern werden beraten.

Mit anderen Projekten werden in den Gemeinden Genossenschaften zur Gemuese-, Obst-, Fisch- oder Honigprodukion aufgebaut. Zudem gibt es eine Gemeinde wo viel Frauen sehr kreative Webarbeiten produzieren, die in der Umgebung verkauft werden. Vielen Familien fehlen vor allem Einkommensmoeglichkeiten, so dass zahlreiche Haeuser schon leerstehen, da die Besitzer ihr Glueck in wirtschaftlich staerkeren Regionen im bolivianischen Tiefland oder im Ausland gesucht haben. CESATCH versucht, mit den Gemeinden neue Wege und Moeglichkeiten fuer einen nachhaltigen Entwicklung zu finden. Ein Mitarbeiter-Team ist immer fuer 20 Tage im Monat vor Ort und organisiert die Arbeit.

Zu unserem Glueck stand in einer der Gemeinden ein Schuljubilaeum an, was mit einem grossen Fest gefeiert wurde. Das ganze Dorf war auf den Beinen, ueberall wurde Essen gekocht und Chicha, eine Eigenbrau- Maisbier, gereicht. In der Schule wurde von der 1. bis 6. Klasse traditionelle Taenze und Theaterstuecke aufgefuehrt. Es wurden Reden gehalten, Vertreter des "Municipios"(Kreis) waren angereist, es gab eine Ausstellung mit typischen regionalen Gemuesesamen und unterschiedlichen Kartoffel- und Maissorten aus einer Region Perus. Die Themen kulturelle und biologische Vielfalt sind auch bei diesem Projektpartner sehr verankerte Schwerpunktthema. Im Anschluss wurde ein Fussballtunier mit Schuelern der 5. und 6. Klassen der umliegenden Gemeinden veranstaltet. Absolut ungewoehnlich war, wie enthusiastisch die Zuschauer, das gesamte Dorf, dem Tunier folgten. Von den kleinen Geschwistern bis zu den Grosseltern waren alle da!

Nach der Siegerehrung war der offizielle Teil dann abgeschlossen und es wurde gefeiert: die zwei das Fest gebenden Familien sorgten fuer das leibliche Wohl der Gaeste und stellten jeweils eine Pucara auf. Die Pucara ist ein aus Holzstangen gebauter Bogen, in dem landwirtschaftliche Produkte, Getraenke, Brote (pan rosceta) oder Kaese aufgehaengt wird. Der Tradition nach, muss am Ende der Feier eine Familie gefunden werden, die das Fest im folgenden Jahr geben wird und die Pucara aufstellt, doch da diese immer waechst (die Menge der aufgehaengten Dinge verdoppelt sich jaehrlich) gibt es auch die Moeglichkeit die Dinge zu verteilen: So kann eine Familie z.B. ein Brot und eine Cola erhalten und muss im folgenden Jahr zwei Brote und zwei Cola fuer die Pucara zur Verfuegung stellen. So wird die finanzielle Last fuer die gastgebende Familie nicht zu schwer. Diese Tradition stammt eigentlich vom Karneval, der in dieser Region das groesste Fest darstellt.
Manche Leute sagen, dass es nicht gut sei, dieses Ritual zu anderen Anlaessen durchzufuehren und erklaeren sich so, dass es z.B. nicht mehr so viel regnet wie frueher.

Am folgenden Tag haben wir in einer der Schulen unseren Workshop zu Vielfalt durchgefuehrt, doch dieses Mal war der theoreische Teil kuerzer und es gab eine praktische Phase: die 15 teilnehmenden Schueler erhielten jeweils in 3er- Gruppen eine "Wegwerf- Kamera" und hatten den Auftrag, mit dieser die Vielfalt ihres Ortes zu fotographieren. Wir waren sehr gespannt und folgten ihnen nach einer gewissen Zeit: Alle waren zum Fluss des Ortes gelaufen und machten dort Fotos von sich in den Gaerten und vor den Eycalyptus Bauemen! Auf die Frage, warum sie denn keine Bilder von ihrem Dorf machten, sagten sie: ¡Es feo! (= Es ist haesslich!)

Als die Bilder entwickelt waren, waren wir etwas enttaeuscht: tatsaechlich waren es meistens Bilder von den Kindern selbst vor wechselndem Hintergrund und nicht wie erhofft Aufnahmen der Umgebung, der Familien oder des Ortes selbst aus der Perspektive und den Augen eines Kindes. Das naechste mal muessen wir wohl doch genauere Angaben machen! Der zweite Teil des Workshops bestand darin, die besten 2 Bilder jedes Photographen in der Kleingruppe auszuwaehlen. Mit diesen gestalltete die Gruppe dann ein gemeinsames Bild. Das Ergebnis waren 5 farbenfrohe Bilder, die dann ausgestellt wurden. Anschliessend wurde die Ausstellung eroeffnet und die Schueler aller Klassen kamen, um sich diese anzusehnen. Als wir sahen, wie gluecklich und stolz die Schueler waren als sie die Fotos erhielten und ausstellten, waren auch wir voellig zufrieden mit dem Ergebnis des Kamera- Experimentes.

Am kommenden Tag machten wir uns wieder auf und radelten auf der Entdeckung der Vielfalt in Richtung Cochabamba, wo der Sitz des terre des hommes Andenbueros ist.

Hier die Fotos zu unserem Besuch bei CESATCH
CESATCH

Montag, 17. September 2007

LIDER, informelle Bildung, Sucre, Bolivia

LIDER (linea institutional de desarrollo rural), wird durch terre des hommes in einem Projekt in der Stadt Sucre unterstuetzt. Viele Jugendliche ziehen mit ihren Familien, oder auch alleine, in die Stadt, da sie dort auf ein besseres Leben hoffen. Doch in der Realitaet ist es fuer die Eltern oft schwer in der Stadt eine Arbeit mit fester Anstellung zu finden. So leben sie meistens in abgelegenen Vierteln, die sich durch schlechte Infrastruktur auszeichnen. Manchmal sind die Strassen nicht asphaltiert, andere Male gibt es keinen Strom, oder kein fliessendes Wasser.

Doch die Kinder sollen es besser haben - darum gehen sie in die Schule und arbeiten hart daran, einen Abschluss zu erhalten. An dieser Stelle setzt das Projekt von LIDER an: In den Schulen der Randbezirke werden workshops fuer die Jugendlichen angeboten, in denen sie zu guten, kritischen "Anfuehrern" (span. = lider) ausgebildet werden, mit dem Ziel, dass sie Verantwortung in ihren Vierteln uebernehmen oder sich in anderen Organisationen der Zivilgesellschaft engagieren koennen.

Der Grund dafuer, dass Jugendliche die Zielgruppe sind, ist, dass 49,2% der bolivianischen Bevoelkerung unter 19 Jahren alt sind, wenn man die jungen Erwachsenen von 20 bis 24 Jahren dazunimmt, sind es knapp 59%! Demnach sind die Jugendlichen nicht Boliviens Zukunft, sondern dessen Gegenwart! Doch diese grosse Bevoelkerungsgruppe ist nach wie vor diejenige, die am wenigsten politische Macht hat. Und nur ein verschwindend geringer Anteil der Jugendlichen nimmt an sozialen oder politischen Gremien teil.

In einem workshop, an dem wir teilnahmen, wurde gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeitet, warum es so wenig Partizipation von Jugendlichen in den Nachbarschaftszentren gibt: Die Jugendlichen haben einerseits Angst, sie koennen sich nicht aeussern, andererseits fuehlen sie sich von den Erwachsenen nicht ernst genommen. Andere haben kein Interesse oder einfach keine Informationen ueber ihre Rechte und Moeglichkeiten.

LIDER arbeitet mit ueber 100 Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 13 bis 25 Jahren in den Rangebieten Sucres. Sie lernen in verschiedenen Modulen die Geschichte Boliviens, wie Demokratie funktioniert, die aktuelle politische Situation und ihre Rechte von einer kritischen Seite aus kennen. Diese Module sind partizipativ aufgebaut, mit dem Ziel, dass die TeilnehmerInnen selber den Ablauf aktiv mitgestallten koennen und durch die Parxis lernen, sowie Vorbehalte abbauen. Hierzu ist anzumerken, dass der Unterrichtsstil in Bolivien meist frontal ist und es den Schuelern oft schwer faellt, sich frei zu aeussern und ihre Gedanken auszudruecken. (Manche trauen sich noch nicht einmal sich vorzustellen.) Durch diese neue Form des Lernens werden viele dieser Hemmungen abgebaut.

Besonders hervorzuheben ist, dass das Thema wirklich Anklang findet. So haben sich aeltere Geschwister von workshop Teilnehmern an LIDER gewandt mit der Bitte, ebenfalls an diesen workshops teilnehmen zu koennen und daraufhin eine eigene Gruppe gegruendet.

Wie wir selber miterleben konnten, nehmen die Schueler mit grosser Freude an den workshops teil. So wurde die Frage, ob sie mit uns zu einem extra Termin in ihrer Freizeit einen workshop zum Thema "Vielfalt" machen moechten, in allen Klassen einstimmig mit ¡¡Siii!! (= Jaaaa!!!) beantwortet. (Soviel Zustimmung haetten wir nicht erwartet!)

In den workshops haben wir unsere Methoden etwas auf die speziellen Besonderheiten jeder einzelnen Gruppe abgestimmt. Ziel war es jeweils zu erarbeiten, was Vielfalt ist, die Zusammenhaenge zwischen der bolivianischen Vielfalt und dem Weltmakt darzustellen, und Loesungen zu erarbeiten, was getan werden kann, um die vorhandene Vielfalt zu erhalten. Besonders gut geeignet war der Film "Liebevolle Lehrer" (Vorstellung von PRATEC, Peru), um ein Beispiel zu zeigen, wie die Vielfalt in den Anden Perus erhalten wird.

In vier verschiedenen Gruppen haben wir unseren workshop angeboten. Die Ergebnisse waren so vielfaeltig wie das Thema selbst. Mal lagen die Schwerpunkt mehr in der Biodiversitaet, eine andere Gruppe diskutierte sehr kontrovers ueber die kulturellen Anspekte der Vielfalt im besondern fuer Bolivien.

Etwas, das die Teilnehmer in ihrer Sprache Quetchua gerne nach Deutschland weitergeben moechten:

¡Ukhu sunquymanta jatun napayku apakunaykichis tiyan!
(dtsch = Von ganzem Herzen senden wir liebe Gruesse an alle!)

¡Ancha munakuyku kay pachata!
(dtsch = Wir moegen diese Welt sehr!)

¡Nuquayku munayku kay tukay yachaykunasta wawaquaychakunata tukuy mundu jallp’api!
(dtsch = Wir mochten, dass alle Kuturen auf der ganzen Welt erhalten bleiben!)

Und in spanisch:
¡La diversidad no sea motivo de conflictos, sí no para unir nos mas!
(dtsch = Die Vielfalt sollte kein Grund fuer Konflikte sein, sondern dafuer, uns mehr zu vereinigen!!)!


Fotos zu diesem Projektbesuch in einer Diashow
LIDER

Montag, 11. Juni 2007

FUNDECAM, Mapuche-Schule in Temuco, Chile

Im Mai haben wir das erste Projekt erreicht, das terre des hommes - Verbindungen hat, bzw. hatte. In Temuco, Chile, hat terre des hommes (tdh) vor vier Jahren mit der Organisation FUNDECAM (Fundacion de Desarrollo Campesino – Stiftung zur Entwicklung der Bauern) zusammengearbeitet, die die Mapuche-Minderheit auf verschiedenste Art unterstuetzt. tdh hat beim Aufbau der Mapuche-Schule "Trañi-Trañi" geholfen, wo der Staat zwar die Buecher und Mahlzeiten finanziert hat, jedoch nicht das Einrichten der Schule.


Das Schulsystem in Chile funktioniert so, dass der Staat pro Schueler an den "Betreiber" einer Schule Geld zahlt. So ist jede Schule von staatlicher Seite etwas unterstuetzt, doch rentiert sich eine Schule erst ab 25 Schuelern pro Klasse - das ist heute noch so. Doch da Chile verhaeltnissmaessig "entwickelt" ist, ist es schwer geworden fuer die durch die betriebene Politik vernachlaessigten Minderheiten Gelder im Ausland zu aquirieren. Das positive an diesem System ist, dass innovativen Konzepten Raum gegeben wird.

Das besondere bei Trañi-Trañi ist, dass die Schule nach den Richtlinien der Mapuche-Kultur aufgebaut ist und die Kultur der Mapuche in den Unterricht einfliesst. So gibt es auch ein Unterrichtsfach, in dem die Sprache der Mapuche "Mapudungun" gelehrt wird.

Was uns sehr beeindruckt hat ist, dass die Kultur der Mapuche bereits fast vergessen ist und die Sprache von nur noch wenigen Familien gesprochen wird!!! Auch die Riten der Mapuche sind den wenigsten Kindern noch bekannt, so dass sie diese oft erst in der Schule kennenlernen. Die Ursache hierfuer liegt wahrscheinlich darin, dass die Mapuche in den vergangenen 100 Jahren sehr diskriminiert wurden und heute ihre Abstammung gerne verheimlichen. Ein Ziel von Trañi-Trañi ist, dass die Schueler die Schule nach acht Jahren mit einem grossen Selbstbewusstsein, Mapuche zu sein verlassen.

Doch die Bindung an die Kultur der Mapuche ist keine Huerde fur Kinder von Nicht-Mapuche-Familien, die im Umfeld der Schule leben. Und diese Bindung ist auch nicht so dominant, dass die Kinder den Stoff der nationalen Corriculi nicht lernen wuerden, oder sich durch die Omnipraesenz gestoert fuehlen. Viele Schueler sind sogar nach Trañi-Trañi gewechselt, da der Unterricht dort besser ist, als in den umliegenden Dorfschulen - andere sind erst weggegangen, und dann wieder gekommen, aus dem selben Grund. So ist die Schule auf ueber 100 Schueler gewachsen, was fuer eine Dorfschule dieser Region riesig ist!

Ob das Konzept von Trañi-Trañi in die Corriculi der Mapuche-Region uebernommen wird, wird derzeit von dem Ministerium fuer Bildung geprueft - ueber eine Universitaet, da es im Ministerium bisher noch keine Spezialisten zu dem Thema gibt! Die Idee von FUNDECAM ist es, die Schule nach 15 Jahren an die Kommune zu uebergeben, damit die Arbeit weiter geht. Schon heute arbeitet sie eng mit den umliegenden Gemeinden zusammen, zum Beispiel indem die Schueler einmal pro Monat den Gemeindevorsteher besuchen und sich mit ihm austauschen.

Wir hatten das Glueck die Schule am "Tag des Schuelers" zu besuchen, so dass wir einen Akt mitbekamen, bei dem auch ein ritueller Tanz praesentiert wurde. Hier haben wir gelernt, dass in der Mapuche-Kultur immer alles paarweise auftritt, so wurden uns auch gleich zwei Taenze praesentiert, die musikalisch von den Schuelern selbst begleitet wurden.



Die eigentliche Schwerpunkt der Arbeit von FUNDECAM ist, wie es der Name schon sagt, die Unterstuetzung der Mapuche-Bauern in der Region. Die Region erstreckt sich ueber ein Gebiet von den Anden bis zum Pazifik und etwa 300 km von Nord noch Sued. Wir haben bei unserem Besuch die Pazifikregion kennengelernt.

Am ersten Tag waren wir dabei, als Pumpen und Wassertanks aufgebaut und installiert wurden. Bei dieser Arbeit ist es wichtig, dass alle der Gemeinschaft sich beteiligen und mit anfassen. FUNDECAM stellt lediglich das know-how und die Geraetschaften zur Verfuegung. Die Finanzierung wird so geregelt, dass die Empfaenger und FUNDECAM jeweils 50 % der Kosten uebernehmen. Das Ziel dabei ist, dass die Bauern sich kuenftig alleine um die Instandhaltung kuemmern koennen und durch die gemeinsame Arbeit noch naeher zusammenruecken. Denn nur, wenn sie sich zusammenschliessen, haben sie die Moeglichkeit die Unterstuetzung, die ihnen zustehen, vom Staat einzufordern. Eine klassische Hilfe zur Selbsthilfe, sozusagen.
Das ist der alte Brunnen der 4-koepfigen Familie...




Dazu gehoert auch, dass sie sich organisieren, was wir bei unserem zweiten Ausflug in die Gemeinde miterlebt haben. Bei einer Versammlung aller – Frauen und Maenner von jung bis alt – wurde ueber die Beduerfnisse gesprochen, die es in der Gemeinschaft gibt. Hierbei wurde darauf geachtet, dass die Frauen sich ueberlegen, was sie benoetigen, und die Manner, was ihnen am meisten fehlt. Diese Dinge (Maschendrahtzaun, fliessendes Wasser, Gewaechshauser, oder aehnliches) werden spaeter durch FUNDECAM teilfinanziert.



Fuer die Mapuche ist der Umgang mit den chilenischen Rechtstaatssystem noch fremd und bei Beduerfnissen stehen sie oft hilflos vor dem System und kapitulieren, noch bevor sie einen Schritt wagen konnten. Auch in diesen Rechtstreitigkeiten unterstuetzt FUNDECAM sie. So wurde zum Beispiel eine Strasse quer durch das Gemeideland gebaut. Sie sollte “Entwicklung” bringen, doch da die Planung nicht ganzheitlich konzipiert wurde hat sie z.B. das natuerliche Wassersysten des gesamten Territoriums zerstoert, so dass nun staendig Wasser auf den Feldern steht.
Eine Frau hat sich mit dem Bau der Strasse schon im Vorfeld nicht einverstanden erklaert, so dass vor ihrem Haus die Asphaltierung unterbrochen ist. Da es in Chile ein Gesetz gibt, das besagt, dass sich niemand der “Entwicklung des Landes widersetzen darf” steht nun eine Gerichtsverhandlung aus. FUNDECAM versucht sie in diesem Fall zu unterstuetzen. Derzeit gibt es viele deartige Konflikete in der Region.

Obwohl FUNDECAM bereits seit vielen Jahren nicht mehr durch terre des hommes Deutschland unterstuetzt wird, steht sie noch in stetem Kontakt zu anderen tdh-Partnern. Waeren wir einen Tag eher angereist, haetten wir noch eine Vertreterin von PRATEC (einem Projektpartner tdh's aus Peru) kennengelernt, die eine Woche zu Besuch bei FUNDECAM war. So werden wir den persoenlichen Kontakt wohl erst in Peru aufnehmen koennen.